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Pressemitteilungen2005-02-01 Wer will schon Pestizide essen?ist besser - Forschungsergebnisse bestätigen QualitätsvorsprungDie Naturkostbranche steht für kontrollierte Qualität und für hochwertige, gesunde Produkte. Ein klar messbarer Erfolg der Prozesskontrolle auf allen Ebenen der Erzeugung und Verarbeitung ist die deutlich geringere Belastung mit Pflanzenschutzmitteln als bei konventionellen Lebensmitteln. Für den Gesundheitsschutz ist das von grundlegender Bedeutung, denn insbesondere gefährliche Mehrfachbelastungen können vermieden werden. Das wurde bei einer Veranstaltung des PresseForum BioBranche (PFBB) auf der BioFach 2005 in Nürnberg deutlich. Bei 95 Prozent aller Proben von Obst und Gemüse aus Bio-Anbau gibt es keinen Grund zur Beanstandung. Bei gut vier Prozent weisen Verunreinigungen auf Einträge aus der konventionellen Landwirtschaft oder auf Probleme bei Lagerung oder beim Abpacken hin. Auch bei Bio-Getreide und Bio-Trockenfrüchten können sich die Verbraucher auf kontrollierte Qualität verlassen. Bei Naturkostverarbeitern wie Lebensbaum oder NaturataSpielberger sind engmaschige Eingangskontrollen selbstverständlich: 75 bis 100 Prozent der Rohware wird beprobt. Dabei müssen nur selten Lieferungen beanstandet werden. Werden doch einmal Verunreinigungen festgestellt, werden die Rohstoffe nicht verarbeitet. Dabei richten sich die Unternehmen der Naturkostbranche in der Regel nach dem Orientierungswert für chemisch-synthetische Pflanzenschutz-, Schädlingsbekämpfungs- und Vorratsschutzmittel des BNN Herstellung und Handel. Dieser Orientierungswert ist in den meisten Fällen strenger als die amtlichen Grenzwerte. Bei Überschreitung des Orientierungswertes muss recherchiert werden, woher die Belastung stammt und ob die Vorschriften der EU-Öko-Verordnung eingehalten worden sind. Zu viele Pestizide in konventionell angebautem Obst und Gemüse"Im Gegensatz zu Bio-Ware enthalten konventionelle pflanzliche Lebensmittel regelmäßig Pestizid- Rückstände. Wir sind alarmiert, denn immer häufiger werden sogar die gesetzlichen Grenzwerte überschritten", berichtete Manfred Krautter, Chemie-Experte bei Greenpeace, während des Pressegesprächs auf der BioFach 2005. Bei konventionell angebautem Obst und Gemüse in Deutschland überschritten 2002 nach amtlichen Angaben neun Prozent der Proben die gesetzlichen Grenzwerte - doppelt so häufig wie noch im Jahr 1998. Bestimmte konventionelle Lebensmittel sind besonders hoch belastet. Dazu zählen Sorten wie Erdbeeren, Paprika, Salate und Weintrauben. "Greenpeace hat diese Skandalfrüchte aus dem Angebot der großen deutschen Supermarktketten wiederholt unter die Lupe genommen. Bei sage und schreibe 27 Prozent der Paprika, bei 24 Prozent der Salate und sogar bei 35 Prozent der Tafeltrauben wurde bei unseren Tests im vergangenen Jahr der gesetzliche Grenzwert erreicht oder überschritten", erläuterte Krautter. "Die von Greenpeace getestete Bio-Ware war dagegen einwandfrei und ist aus unserer Sicht eine klare Empfehlung für die Verbraucher." Besonders bedenklich: Die Mehrzahl der belasteten Früchte enthielten gleich Rückstände von mehreren Pestiziden. Mehrfachbelastungen fand Greenpeace bei 91 Prozent der Salate, und zwar mit bis zu acht Pestiziden gleichzeitig. Bei Paprika waren 55 Prozent der Proben mit mehreren Pestiziden belastet, bei den Trauben 86 Prozent. Auch die EU stellt bei ihrem Monitoring eine stetige Zunahme von Pestizid-Cocktails in Obst und Gemüse fest. Diese Pestizid-Cocktails sind eine Gefahr für die Gesundheit: "Stoffe, die einzeln noch harmlos sind, können kombiniert in derselben Konzentration giftig wirken. Das Zellwachstum verlangsamt sich bis hin zum Zelltod", warnte Prof. Irene Witte, Leiterin der Arbeitsgruppe Biochemie/ Toxikologie an der Universität Oldenburg bei der Veranstaltung des PresseForum BioBranche. Wittes Arbeitsgruppe konnte quantitativ belegen, in welchem Ausmaß sich verschiedene Schadstoffe - abhängig von ihrer Konzentration - in ihrer toxischen Wirkung im menschlichen Körper verstärken können. Die Untersuchungen an menschlichen Zellen zeigten, dass ungiftige Konzentrationen von Einzelstoffen im Gemisch giftig wirken. Je mehr Einzelstoffe ein solches Gemisch enthält, umso giftiger wirkt es. Bei der Festlegung von Grenzwerten für Lebensmittel werden diese Erkenntnisse bisher nicht berücksichtigt. "Es reicht aber auf keinen Fall, wie bisher nur Einzelstoffe zu betrachten. Kombinationswirkungen müssen auch bei der Festlegung von Grenzwerten berücksichtigt werden", forderte Witte. Während zahlreiche Pestizide Krebs begünstigen, die Zellteilung stören oder Allergien auslösen können, wirken andere im menschlichen Körper wie Hormone. Hinweise auf eine hormonelle Wirksamkeit gibt es bei über 60 in Deutschland zugelassenen Pestizid-Wirkstoffen. Solche Pestizide können zum Beispiel Fruchtbarkeitsstörungen und bei Ungeborenen Missbildungen verursachen. Wissenschaftlich belegt ist, dass in den letzten Jahren sowohl die Qualität der Spermien als auch ihre Menge drastisch abgenommen haben. Gesicherte Befunde bei Säugetieren legen nahe, dass auch der Rückgang der menschlichen Fruchtbarkeit auf die wachsende Belastung mit Pestiziden zurückzuführen ist. Besonders anfällig für Schädigungen durch Pflanzenschutzmittel sind Kinder. Sie verzehren in Bezug auf ihr Körpergewicht rund drei Mal soviel Lebensmittel wie Erwachsene und sind damit auch einer entsprechend höheren Pestizidbelastung ausgesetzt. Das Immunsystem von Kindern ist noch anfälliger und der Magen-Darm-Trakt durchlässiger - auch für Giftstoffe. Pestizid-Cocktails bedrohen die GesundheitDer Einsatz von Pestiziden in der konventionellen Landwirtschaft belastet Grundwasser, Gewässer und Böden. Das bedroht auch den Ökolandbau, der sich gegen die verbreiteten Rückstände nicht immer abschirmen kann. "Verunreinigungen von Bio-Produkten, auch wenn sie selten und unterhalb der Grenzwerte vorkommen, schädigen das Image der ökologischen Lebensmittelwirtschaft und stärken Zweifel an der Echtheit von Bioprodukten", so Nikolai Fuchs, Agrarwissenschaftler und Leiter der Sektion für Landwirtschaft der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum in der Schweiz. Insofern sei es Ziel der ökologischen Landwirtschaft, Umweltbelastungen zu verringern und nach Möglichkeit auszuschließen. Das sei jedoch allein durch Kontrollen nicht zu erreichen. "Zudem sind Eigenkontrollen kostspielig, verteuern somit die Produkte und mindern die Wettbewerbsfähigkeit der Öko-Betriebe", erläutert Fuchs. Nur der Verzicht auf die Risikotechnologie "Pflanzenschutz" könne wirklich Sicherheit garantieren. |
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